Konzept der Abteilung Frührehabilitation in der Hardtwaldklinik I
- A. Einleitung
Direkt nach Überwindung der akuten Erkrankung bzw. der
postoperativen Überwachungsphase, können Patienten in die Abteilung
für Frührehabilitation der Hardtwaldklinik I (Phase B und C, nach
Einteilung des VDR) zur postprimären Rehabilitation übernommen
werden. Dies betrifft sowohl Patienten mit sogenanntem “Apallischen
Syndrom” als auch solche mit posttraumatischer, zerebrovaskulären
Halbseitenlähmung oder Tetraparesen (zentral, peripher) in
Kombination mit Schluck-, Sprach- und Sprechstörungen und/oder
neuropsychologischen Auffälligkeiten, von völliger Immobilität bis
zum desorientierten (nicht weglaufgefährdeten) Fußgänger.
In dieser Abteilung bestehen apparative und personelle
Möglichkeiten der Intensivüberwachung und -pflege (ausgenommen
Beatmungspatienten). Frühestmögliche Mobilisierung mit dem Ziel der
weitestgehenden Selbständigkeit, getragen durch ein integratives
24-Stunden-Konzept mit Selbsthilfetraining, aktivierender Pflege,
fazio-oraler (Sprach)-Therapie, Physiotherapie, Ergotherapie,
Neuropsychologie, psychologische Beratung, Psychotherapie
unterstützt durch physikalische Therapie (z.B. Lymphdrainage)
werden angestrebt.
Die Patienten sind ausschließlich in Einzelzimmern untergebracht,
Therapieräume sind zentral und dezentral erreichbar.
Es werden motorische und sensible Basisfunktionen gefördert und
differenzierte Therapieangebote bei Störungen der Mundmotorik und
des Schluckaktes, des Sprechens, der Stimme und Sprache angewandt.
Störungen von Antrieb, psychomotorischen Tempo, Wahrnehmung,
Orientierung, werden nach gezielter neuropsychologischer Diagnostik
in Einzeltherapie oder in kleinen Gruppen behandelt.
- B. Überblick
-
- 1.) Personelle und strukturelle Ressourcen:
Die Abteilung Frührehabilitation der Hardtwaldklinik I
umfaßt max. 77 Behandlungsplätze. Davon entfallen 23 Betten auf
sogenannte Phase-B-Patienten mit den Möglichkeiten des Monitorings
mit zentraler Überwachung. Die übrigen Betten verteilen sich auf C-
und in Einzelfällen auch auf D-Phase-Patienten, die von ihrer
Altersstruktur einer besonderen Betreuung bedürfen. In fünf Zimmern
können Angehörige mit aufgenommen werden.
Zentral sind auf dieser Abteilung 3 Therapieräume untergebracht
(Sprachtherapie, Neuropsychologische Therapie,
Ergotherapie/Physiotherapie). Die meisten Therapien werden jedoch
dezentral in den Therapieräumen der zuständigen Therapieabteilungen
durchgeführt.
Personalbereiche der Abteilung:
-
- Leitender Abteilungsarzt
- Assistenzärzte
- Pflegekräfte inkl. PDL und Praxisanleitung
- Hol- und Bringedienst
- Neuropsychologe
- neuropsychologischer Therapeut
- Sozialberatung
- Psychologe für die Angehörigenarbeit (teilzeitbeschäftigt)
- Physiotherapeuten
- Ergotherapeuten
- Sprachtherapeuten
Das umfangreiche therapeutische Angebot der Hardtwaldklinik I wird
zusätzlich genutzt (physikalische Therapie speziell Lymphdrainage,
Sporttherapie u.a.). Die Patienten sind überwiegend in
Einzelzimmern untergebracht. Die Bäder sind behindertengerecht
ausgestattet, die Zimmer enthalten Telefon und Fernseher.
- 2.) Indikation
Überwiegend werden Patienten mit Hirninfarkten,
intracerebraler Blutung oder Subarachnoidalblutung aufgenommen. Ein
geringer Anteil entfällt auf Schädel-Hirn-Traumen und sonstige
Erkrankungen (schwere Schädigung des peripheren Nervensystems, etwa
Polyradikulitiden, Folgen von Hirntumorerkrankung und auch
hypoxische Hirnschäden sowie entzündliche ZNS-Erkrankungen).
Kontraindikation:
Nicht aufgenommen werden Patienten unter 18 Jahren,
Dauerbeatmungspflichtige Patienten und Patienten, die wegen
Weglaufgefährdung bzw. Selbstgefährdung geschlossen untergebracht
werden müssen.
- 3. )Anmeldeverfahren
Die Hardtwaldklinik I verfügt über 23
Frührehabilitationsbetten nach §108SGB V. Hier ist - sofern eine
Frührehabilitation im Krankenhaus nach §39 SGB V durchgeführt
werden soll – eine Direktverlegung ohne vorherige Kostenzusage
durch die Krankenkasse möglich.
Die übrigen Anmeldungen erfolgen durch die Kostenträger oder
Einweiser mit Hilfe von standardisierten Anmeldeformularen der
Kostenträger (AR-Verfahren, Formulare zur Intergrierten Versorgung
z.B. AOK). Eine Einstufung nach dem Phasenmodell des VDR ist hier
zwingend. Die Aufnahmezusage und Terminvergabe durch die Abteilung
Frührehabilitation setzt dann die Genehmigung der Kostenträger
voraus.
- 4.) Diagnostik/Konsile
Es können Kernspintomographie inkl. MR-Angio, CT inkl.
CT-Angio (Langzeit)-EEG, Videofluoroskopie, Rhinolaryngoskopie ENG,
EMG, Magnetstimulation, SEP, Doppler-Duplex, MESAM, sonographische
Methoden, Röntgendiagnostik (Langzeit)-EKG, Langzeit-RR,
transthorakale Echokardiographie und konsiliarisch transösophageale
Echokardiographie genutzt werden.
Die therapeutischen Abteilungen (Neuropsychologie, Sprachtherapie,
Ergotherapie, Physiotherapie und andere) verfügen über umfangreiche
Testbatterien und diagnostisches Inventar.
Konsilleistungen werden sowohl im Unternehmesverbund (
Innere Medizin, Neurourologie, Neuroothopädie, Neurochirurgie) als
auch durch enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und
umliegenden Krankenhäusern erbracht (Dermatologie, HNO,
Neurochirurgie etc).
- 5.) Qualitätssicherung
-
- Externe Qualitätssicherung:
Die Abteilung Frührehabilitation ist als Teil der Hardtwaldklinik I
nach der DIN ISO 9001:2000 und nach den Qualitätskriterien der
DEGEMED zertifiziert.
Es existiert ein EDV-Qualitätsmangementhandbuch.
Die Abteilung für Frühehabilitation nimmt am
Qualitätssicherungsprogramm der Hessischen Landesärztekammer (GQH)
teil.
- Interne Qualitätssicherung
Eine Umfangreiche Datenbank mit Erfassung der Stammdaten,
computergestützte Analyse von Rating-Skalen (z. B. FIM und
Barthel-Index) bilden die Besserungsdynamik auch zur transparenten
Darstellung gegenüber den Kostenträgern ab.
Eine systematische Erfassung von Komplikationen und Zwischenfällen
in einer sogenannten Komplikationsdatenbank ermöglicht die
Auswertung und Untersuchung auf systematische Fehler.
Regelmäßige Organisationsbesprechung mit einem formalisierten
Protokollwesen ermöglichen die Reduktion von Reibungsverlusten und
das Lösen von Schnittstellenproblemen.
- C. Zusammenfassung
Frührehabilitation von schwer neurologisch erkrankten Patienten
verstehen wir als Hilfe im Rahmen eines Anpassungsvorganges an die
veränderte Lebenssituation und Fähigkeiten nach einem
Krankheitsereignis. Wir geben im Rahmen eines intergrativen
24-Stunden-Konzeptes Unterstützung zur Neuregulation von Selbst-,
Familien- und Berufssystemen nach einem schweren Trauma.
Im Krankenhausbereich der Hardtwaldklinik I (23
Betten) werden Patienten i. S. von Frührehabilitation betreut, die
unter besonderer ärztlicher Behandlung stehen müssen (§39 SGB V),
bei den übrigen Patienten steht die ärztliche Leitung des
Rehabilitatonsprozeses i. S. von Koordination und Integration im
Vordergrund, um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu fördern
und wieder zu ermöglichen (§1 SGB IX).
Behandelt oder rehabilitiert wird die gemeinsame, pathologische
Endstrecke unterschiedlicher Erkrankungen (Diagnosen) z.B. im Sinne
des Bobathkonzeptes.
Als Metakonzept dienen systemische und Neuroplastizitätsmodelle.
Jede therapeutische Abteilung hat ihre spezifischen
Therapiekonzepte die fortlaufend und kontrolliert auf ihre Evidenz
überprüft werden.
Durch regelmäßige Team-Besprechungen, ein ausgefeiltes
Rückmeldesystem und umfangreiche Dokumentationen wird
gewährleistet, daß jederzeit der interdisziplinärer Überblick über
den aktuellen Stand des Patienten und die eingangs formulierten
oder neu festzulegenden Rehabilitationsziele (etwa weitestgehende
Selbständigkeit, soziale und berufliche Integration) möglich
ist.
Durch eine spezielle Angehörigenarbeit (Psychologe, Sozialberatung)
werden nicht nur die Patienten in ihrer Krankheitsverarbeitung,
sondern auch das familiäre Umfeld unterstützt.
Die Abteilung Frührehabilitation ist in das integrative
Versorgungskonzept des Neurologischen Zentrums Bad Zwesten
eingebunden. So ist der nahtlose Übergang von der neurologischen
Akutbehandlung über die Frührehabilitation im Krankenhaus in die
weiterführende Rehabilitation und Anschlußheilbehandlung
möglich.
Angehörige haben die Option in die therapeutische Pflege und in das
Handling der Patienten eingeführt zu werden. Die interdiziplinäre
Entlassungsplanung berücksichtigt das komplementäre Umfeld
(häusliche Integration, ambulante Pflege, Information der
Nachbehandler, Hilfsmittelversorgung). Die Mitaufnahme von
Angehörigen ist möglich.
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